Gentechnik tut so manchem weh

Unsere Lebenswelten werden von Jahr zu Jahr komplexer und in mancher Hinsicht auch komplizierter. Da wundert es den einen oder den anderen keineswegs, dass die meisten Menschen Angst vor Veränderungen haben…

Vielen ist die Wissenschaft daher ungeheuer, da sie nicht so richtig verstehen und aber auch oft gar nicht wissen, welche herausragende Wichtigkeit Wissenschaft für unsere Gesellschaft, vielmehr noch für die menschliche Zivilisation als Ganzes, hat.
Wissenschaftlichen Arbeiten haben wir nicht nur das Auto, den Computer, den Fernseher, sondern auch den Defribrilator, den Herzschrittmacher, das Taschentuch, die Zahnpasta, Gabel und Messer und vieles, vieles mehr, zu verdanken. Und eben auch die Gentechnik.

Land Brandenburg

© Land Brandenburg

Tja und da wären wir schon bei der lieben Gentechnik.
Diese steht ja in den letzten Jahren ganz arg im Verruf böse zu sein. Dieser trägt bei Zeiten recht seltsame Blüten. 44 Prozent der Deutschen denken, dass Tomaten keine Gene beinhalten. Hmm, das gibt mir wiederum zu denken.

Konkret dreht sich die Angst der Leute um die sogenannte „Grüne Gentechnik“. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle einmal erläutern, was man unter Gentechnik versteht.
Mit Gentechnik sind jene Verfahren bzw. Methoden der Biotechnologie gemeint, die man anwendet, um Erbgut aktiv zu verändern. Hierbei kommen Kenntnisse der Molekularbiologie und der Genetik zum Tragen, um letztendlich damit gezielt sowohl in die biochemischen Steuerungsvorgänge von Lebewesen, wie auch viraler Genome, einzugreifen.

Im Groben werden die gentechnischen Verfahren nach ihren Anwendungsgebieten eingeteilt:

Grüne Biotechnologie – wird zur Veränderung des Genoms von Pflanzen angewendet

Rote Biotechnologie – wird in Medizin und Pharmazie verwendet; z.B: Gentherapie

Weiße Biotechnologie – „die industrielle Produktion von organischen Grund- und Feinchemikalien sowie Wirkstoffen mithilfe optimierter Enzyme, Zellen oder Mikroorganismen“1

Wie bereits weiter oben schon erwähnt, steht der größere Teil der Deutschen, aber auch der Österreicher, der Gentechnik und im Speziellen und vor allem der grünen Gentechnik kritisch gegenüber. Die sogenannten „Gentechnikgegner“ stellen jedoch keine homogene Gruppe dar, wie man das vielleicht zunächst vermuten würde.
Nicht nur weltanschauliche bzw. politische Ansichten dienen als Motivation, sondern ebenso Angst vor Geschäftemacherei generell, zusätzliche Benachteiligung der Entwicklungs- und Schwellenländer, Globalisierung, kriminellen Machenschaften der Chemiekonzerne und so weiter. Aus wissenschaftlicher Sicht werden ebenfalls einige Sorten transgener Pflanzen abgelehnt, jedoch beziehen sich die angeführten Gründe stets auf Einzelfälle und nicht pauschal und undifferenziert auf die grüne Gentechnik im Gesamten.
Ein sehr interessantes und aufschlussreiches Interview mit Dr. Stefan Rauschen vom Institut für Biologie III (Pflanzenphysiologie) der RWTH Aachen, über seine persönliche Erfahrungen in der deutschen Biosicherheitsforschung und mit Gentechnikgegnern, kann man bei „Alles was lebt“, ein Blog von Emanuel Heitlinger (Evolutionsbiologe) und Alexander Knoll (Biologe), nachlesen.

All diese vermeintlichen Gründe, ausgenommen die wissenschaftlich fundierten, führen zu einem Bild der grünen Biotechnologie, das sie sich in keinster Weise verdient hat.
Wie Stefan Rauschen ausführt, zeigen Untersuchungen, sofern sie auf wissenschaftlich höchstem Niveau durchgeführt wurden, dass es z.B. „keine Hinweise auf einen Einfluss von Bt-Mais (MON810 2, MON88017) auf die Gemeinschaft der Lebewesen auf dem Acker gibt.“ 3

Bt-Mais MON810

Bt-Mais MON810

Nichtsdestotrotz beschloß die deutsche Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, Mitte April 2009, dass zukünftig der Anbau von gentechnisch verändertem Bt-Mais MON810 verboten ist.
Dies blieb natürlich nicht ohne Folgen und zog eine gehörige Reaktion der Scientific Community mit sich. Hier kann man eine Stellungnahme von Prof. Dr. Rudi Balling, den wissenschaftlichen Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und Präsidenten des VBIO, zum Verbot von MON810 lesen.

„WeiterGen“ hatte bereits ein Woche vor dieser idiotischen und nicht von Fakten bzw. wissenschaftlichen Erkenntnissen getragenen Entscheidung der Bundeslandwirtschaftsministerin den möglichen Hintergrund eines Verbotes analysiert.

Mein Fazit ist, dass die Diskussion emotional aufgeladen ist und auch so in der allgemeinen Wahrnehmung gehandhabt wird.
Leider gehen dabei die Erkenntnisse der Wissenschaft unter und werden nicht als Entscheidungsgrundlage herangezogen, sondern werden sogar oftmals einfach ignoriert.
Diese Ignoranz trägt dazu bei, das Menschen glauben, dass Gene von transgenen Pflanzen ihr persönliches Erbgut verändern würden, ohne zu begreifen, dass dies dann zum einen genauso bei konventionell gezüchteten Pflanzen der Fall wäre und zum anderen, dass das in eine Zelle neu eingefügte Gen ein neues Protein herstellt, welches unter Umständen unerwünschte Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben kann. Daher müssen gentechnisch veränderte Pflanzen vor dem Einsatz auch erstmal zugelassen werden.
Das neue Gen selbst führt zu nichts und ist in erster Linie eine biologische Information. Als Bestandteil der Nahrung 4 ist es eine harmlose Chemikalie, die im Magen oder im Darm schnell abgebaut wird.

1 Definition stammt von der Fraunhofer Gesellschaft
2 Monitoringstudie Monsanto MON810
3 Zitat von Stefan Rauschen
4 Gentechnisch veränderte Lebensmittel: Eine sichere Sache? (www.transgen.de)

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~ von eXistenZ - 18. Oktober 2009.

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